Aus dem Gerichtssaal 1979!
Dieter Zlof bestreitet entschieden, an der Entführung von Richard Oetker beteiligt gewesen oder gar der Haupttäter zu sein. Es findet also ein Indizienprozeß statt. Aus Umständen und Anzeichen muß sich das Gericht seine zum Freispruch oder zur Verurteilung führende Überzeugung bilden.
Gerichte, die nach einem Indizienprozeß verurteilen, sehen sich nicht selten Angriffen ausgesetzt. Und die Öffentlichkeit pflegt dann unter anderem vorzubringen, daß die Atmosphäre vergiftet und der Angeklagte verurteilt gewesen sei, bevor er den Mund aufmachte.
Nirgendwo in der Bundesrepublik läßt sich das Klima einer Hauptverhandlung so schwer ergründen wie in Bayern. Selbst wenn nicht bayrisch gesprochen wird, ist man immer nah am Idiom -- und wann in dem gelassen oder grob verhandelt wird, wer von den Zugereisten weiß das schon.......
Für die Anklage ist Dieter Zlofs Biographie durch ein Hin und Her gekennzeichnet, das sie stützt. Ein mittelmäßiger Schüler der mit den Eltern "ganz
gut" auskam, doch keine engere Beziehung zu ihnen hatte. Sieben Jahre Volksschule, drei Jahre Wirtschaftsaufbauschule, mittlere Reife, zwei Jahre als Bankkaufmann, Lohnbuchhalter, graduierter Betriebswirt -- und endlich Abneigung gegen "stupide Tätigkeiten".
Verkaufsförderung für Schokoladenfirmen, Tauchschulen auf Elba, in Ägypten, Kenia und der Bundesrepublik, freie Tätigkeit für ein Finanzierungsbüro, Barkeeper: ein buntes Leben. Im Frühjahr 1970 geht er mit seiner späteren Frau nach München, und da "is des Autogschäft langsam losgangen".
Er kauft und verkauft gebrauchte Autos. Er macht, sagt er, gute Geschäfte. Er richtet die Autos her, bevor er sie weiterverkauft. Er baut eine Werkstatt auf, die er bis zum Frühsommer 1977 führt. Dann muß er den "Schuppen" abreißen, weil der schwarz gebaut war. Schwarz, rabenschwarz soll auch der Gewinn gewesen sein, den er gemacht hat. Er will Steuern hinterzogen haben. Mehr als 60 000 Mark, die er im Keller liegen hatte, will er nicht einräumen. Die Anklage kann für sich verbuchen, daß Dieter Zlof nur bis zu diesem Betrag etwas sagt. Richter Zeiler mahnt. 15 Jahre kann Dieter hof bekommen, wenn man ihn für schuldig befindet. Ist es da nicht besser, die Steuerfahndung als das kleinere Übel zu wählen?
Die Verteidigung hat keinen Anlaß einzuspringen, während Dieter Zlof aussagt. Er verteidigt sich selbst, er läßt nichts aus. Und als es ans Spielen kommt, an das Roulett -- da wird er überwältigend. Er hat Marigny de Grilleau gelesen, der ein Mathematiker und Wahrscheinlichkeitstheoretiker sein soll und von dem es die Schriften "Ein Stück pro Angriff" und "Praktische Anwendung" gibt. Er hat de Grilleau verstanden (im Gegensatz zu anderen).
Er ist kein Mensch mit Spielleidenschaft, bewahre. Daß Systeme, die zum Erfolg führen, ein Schmarren sind, er weiß es. "Ma ko des Roulett net systematisch überwindn", sagt er, das ist eine "unverbrüchliche feste Überzeugung von mir". Doch dann -- dann trägt er vor, daß es "in der Person des Spielers" eben doch einen Weg zum Erfolg gibt.
Quelle spiegel.de
